Der Ehemann, der zu schüchtern war, um seine Frau anzusehen

Der Ehemann, der zu schüchtern war, um seine Frau anzusehen

Diese Geschichte wurde von Prof. Khalid al-Jubeir in einer seiner Lesungen erzählt:

“Einst operierte ich ein 2,5 Jahre altes Kind. Es war an einem Dienstag und am Mittwoch ging es dem Kind noch gut. Doch am Donnerstag gegen viertel nach 11 – ich werde die Zeit niemals vergessen, denn es war sehr überraschend und schockierend – rief eine der Krankenschwestern mich und sagte mir, dass Herzschlag und Atmung des Kindes ausgesetzt hatten.

Ich lief zu ihm und führte 45 Minuten lang eine Herzmassage durch, bis das Herz letztendlich wieder zu schlagen begann durch Allahs Bestimmung, und wir dankten Ihm.

So ging ich los, um die Familie darüber zu informieren. Es ist sehr schwierig, die Familie eines Patienten über dessen schlechten Zustand zu informieren; es ist eine der unangenehmsten Situationen für einen Arzt, aber eben notwendig.

Ich suchte also nach dem Vater des Kindes, konnte ihn aber nicht finden. Schließlich traf ich die Mutter an und informierte sie über den Herzstillstand ihres Kindes aufgrund einer Blutung. Den Grund für die Blutung kannten wir nicht und befürchteten, das Kind könnte hirntot sein.

Was denkt ihr, hat sie geantwortet? Weinte sie? Beschimpfte sie mich? Nein, nichts davon. Sie sagte einfach „Alhamdulillah“, und ging. Nach 10 Tagen bewegte das Kind sich erstmals wieder. Wir dankten Allah und waren glücklich darüber, dass der Zustand seines Gehirns in Ordnung war. Nach 12 Tagen setzte der Herzschlag erneut aus, wieder aufgrund dieser Blutung. Wir führten wieder eine Herzmassage für 45 Minuten durch, doch dieses Mal reagierte das Herz nicht. Und so sagte ich seiner Mutter, dass keine Hoffnung bestünde. Daraufhin sagte sie: „Alhamdulillah! Oh Allah, wenn Gutes in seiner Genesung liegt, dann heile ihn, oh mein Herr.“ Durch die Gnade Allahs nahm das Herz seine Arbeit erneut auf. Er erlitt sechs ähnliche Stillstände, bis ein Spezialist die Blutung stoppen konnte und das Herz wieder richtig funktionierte.

3,5 Monate waren nun vergangen und dem Kind ging es besser, doch es bewegte sich nicht. Und gerade, als es sich wieder zu bewegen begann, entdeckten wir einen sehr großen Abszess in seinem Kopf, wie ich ihn noch nie gesehen hatte. Wieder informierte ich seine Mutter über die ernste Lage und wieder sagte sie „alhamdulillah“ und ging. Sofort brachten wir das Kind auf die Station, die für Gehirn und Nervensystem zuständig war. Drei Wochen später war der Junge von dem Abszess befreit, bewegte sich aber wieder nicht. Weitere zwei Wochen vergingen, er litt unter einer ungewöhnlichen Blutvergiftung und seine Temperatur erreichte 41,2 Grad. Seine Mutter ertrug die Lage mit Geduld und Standhaftigkeit. Sie sagte: „Alhamdulillah. Oh Allah, wenn in seiner Genesung etwas Gutes liegt, dann heile ihn.“

Nachdem ich bei dieser Mutter und ihrem Kind in Bett #5 gewesen war, ging ich zu einem anderen Kind in Bett #6. Ich fand die Mutter weinend und schreiend vor. Sie rief: „Doktor, Doktor! Tun sie etwas! Seine Temperatur hat 37,6 Grad erreicht, er wird sterben!” Überrascht erwiderte ich: „Sehen Sie sich die Mutter bei dem Kind in Bett #5 an. Das Fieber hat mehr als 41 Grad erreicht und trotzdem ist sie geduldig und lobt Allah.“ Sie entgegnete: „Die Frau hat keine Ahnung und kein Gefühl!”

An diesem Punkt fiel mir ein großartiger Hadith ein, in dem der Prophet (Allahs Frieden und Segen seien mit ihm) sagte: „Gesegnet sind die Fremden.“ Nur zwei Worte [auf Arabisch]… doch wahrlich zwei Worte, die ein Volk zum Beben bringen! In meinen 23 Jahren Krankenhausdienst habe ich niemals jemanden gesehen, wie diese geduldige Schwester.Wir kümmerten uns weiterhin um ihr Kind und nach 6,5 Monaten konnte der Junge endlich auf eine andere Station verlegt werden; jedoch konnte er weder sprechen noch sehen, hören, noch sich bewegen oder auch nur lächeln. Er hatte eine offene Brust, in der man sein Herz schlagen sehen konnte. Täglich wechselte seine Mutter ihm die Kleidung und blieb dabei stets geduldig und hoffnungsvoll.

Könnt ihr euch vorstellen, was dann geschah? Bevor ich es euch erzähle, denkt darüber nach, wie eurer Meinung nach die Aussichten für ein Kind sind, das all dies durchstanden hat. Und was denkt ihr über eine Mutter, deren Kind am Rande des Grabes steht, und die nichts tun kann außer Allah zu bitten und anzuflehen? Ich kann euch sagen, was 2,5 Monate später geschah – der Junge war vollständig durch Allahs Gnade geheilt, als Lohn für seine fromme Mutter. Jetzt rennt er mit seiner Mutter um die Wette, als ob nichts gewesen wäre. Die Geschichte endet hier aber nicht. All dies ist es nicht, was mich so sehr bewegt und meine Augen mit Tränen gefüllt hat, sondern das Folgende:

1,5 Jahre, nachdem das Kind das Krankenhaus verlassen durfte, bekam ich Besuch auf meiner Arbeitsstelle von einem Mann, seiner Frau und zwei Kindern, die mich sehen wollten. Ich fragte meinen Kollegen, wer sie seien, doch er wusste es nicht. Also ging ich zu ihnen und traf die Eltern eben dieses Kindes an, das ich operiert hatte. Inzwischen war er fünf Jahre alt und erfreute sich bester Gesundheit – als ob nie etwas gewesen wäre. Bei ihnen war auch ein vier Monate altes Baby. Ich hieß sie herzlich willkommen und fragte scherzhaft, ob dieses Baby das Kind #13 oder 14 sei.

Der Vater sah mich mit einem wunderlichen Lächeln an und sagte: „Das ist mein zweites Kind und das Kind, das du operiert hast, ist unser Erstgeborener, mit dem wir nach 17 Jahren der Unfruchtbarkeit gesegnet wurden. Und nachdem er uns geschenkt wurde, litt er unter den Umständen, die du miterlebt hast.“

Als ich dies hörte, konnte ich mich nicht beherrschen und meine Augen füllten sich mit Tränen. Unwillkürlich ergriff ich den Arm des Mannes und zog ihn in meinen Raum hinein. Dort fragte ich ihn wegen seiner Frau: „Wer ist diese Frau, die nach 17 Jahren der Unfruchtbarkeit so viel Geduld aufbringen konnte, unter all diesen fatalen Bedingungen? Ihr Herz kann doch nicht kalt sein! Es muss mit Imaan angefüllt sein!“ Wisst ihr, was er antwortete? Hört gut zu, meine geehrten Brüder und Schwestern – er sagte: „Ich habe diese Frau vor 19 Jahren geheiratet und in all diesen Jahren hat sie es nie versäumt, des Nachts zu beten, außer wenn sie einen gerechtfertigten Grund dafür hatte. Ich habe sie niemals lästern gesehen, über andere herziehend oder lügend. Immer, wenn ich das Haus verlasse oder zurückkehre, öffnet sie die Tür, betet für mich und empfängt mich freundlich. In jeder ihrer Handlungen drückt sie hingebungsvolle Liebe, Fürsorge und Barmherzigkeit aus. Wirklich, Doktor, wegen all dieser edlen Eigenschaften und der Warmherzigkeit, mit der sie mich behandelt, bin ich zu schüchtern, um meinen Blick zu heben und sie anzusehen.“

Daraufhin sagte ich zu ihm: „Und Frauen wie sie verdienen das wahrlich.“”

„Und Wir werden euch ganz gewiss mit ein wenig Furcht und Hunger und Mangel an Besitz, Seelen und Früchten prüfen. Doch verkünde frohe Botschaft den Standhaften, die, wenn sie ein Unglück trifft, sagen: „Wir gehören Allah, und zu Ihm kehren wir zurück.“ Sie sind es, denen Segnungen von ihrem Herrn und Erbarmen zuteil werden, und sie sind die Rechtgeleiteten.“ (2:155-157)

Advertisements